Haushaltsplanentwurf 2026/2027
Unternehmer Rat Hagen sieht Chancen bei der städtischen Haushaltsplanung
veröffentlicht am 10. April 2026
Vor dem Hintergrund der angespannten Finanzlage der Stadt hat sich der Unternehmer Rat Hagen intensiv mit dem aktuellen Haushaltsplanentwurf 2026/2027 sowie den Haushaltssatzungen der Vorjahre befasst. Folgende Punke sind dabei aus Sicht des Unternehmer Rat auffällig:
Ein Vergleich der Personalstandsberichte zeigt einen kontinuierlichen Anstieg der vollzeitverrechneten Stellen von 56 Prozent zwischen 2015 und Ende 2024; betrachtet man die Zeitspanne von 2015 bis Ende 2025, ist es sogar eine Steigerung von 63,6 Prozent. Diese Entwicklung spiegelt sich deutlich in den Personalaufwendungen wider: Während diese im Jahr 2020 noch 182.542.464 Euro betrugen, belaufen sie sich im Jahr 2025 auf 252.761.523 Euro. Im Jahr 2024 lagen die Personalaufwendungen noch bei 228.985.640 Euro. Legt man die Kosten der Personalaufwendungen auf jeden Einwohner um, ergibt sich für Hagen für das Jahr 2024 ein Betrag von 1.203 Euro pro Kopf, während dieser in Dortmund 2024 bei 1.016 Euro und in Bochum bei 1.081 Euro pro Kopf lag. Für das Jahr 2025 sind es in Hagen 1.327,64 Euro pro Kopf (auf Basis der Einwohnerzahl von IT.NRW).
Eine zusätzliche Auffälligkeit liegt in den erheblichen Abweichungen zwischen Plan- und Ist-Zahlen – eine Diskrepanz, die in den Haushalten der Vergleichsstädte Dortmund und Bochum in dieser Form ebenfalls nicht vorliegt. So übersteigt in Hagen das vorläufige Jahresergebnis der Personalaufwendungen 2025 die im Haushaltsentwurf 2024/2025 vorgesehenen Planzahlen deutlich. Die Gesamtsumme der Aufwendungen liegt mit 252.761.523 Euro um 24.407.484 Euro beziehungsweise 10,7 Prozent über dem geplanten Ansatz von 228.354.039 Euro.
Auch bei den Beihilfen und Rückstellungen zeigt sich im Ergebnis für das Jahr 2025 eine deutliche Abweichung von 10 Prozent gegenüber den Planzahlen. Anzumerken ist, dass die Urlaubsrückstellungen in der Haushaltsplanung seit Jahren nicht berücksichtigt wurden, was maßgeblich zu den Differenzen beiträgt.
Ein Blick auf frühere Berichte verdeutlicht, dass es auch in den vergangenen Jahren regelmäßig erhebliche Differenzen zwischen Planung und tatsächlichem Ergebnis bei den Gesamtaufwendungen gab (nur 2024 gab es eine minimale Steigerungsrate). Das wirft mehrere Fragen auf: Waren bestimmte Entwicklungen nicht frühzeitig erkennbar, sodass sie in den Haushaltsvorberichten hätten berücksichtigt werden können? Und: Wie belastbar ist die Haushaltsplanung der Stadt – und ist auch künftig mit erheblichen Abweichungen zu rechnen?
Wie sich im Vergleich mit anderen Städten zeigt, sind weitaus präzisere Planungen der Personalaufwendungen möglich. So liegen die Abweichungen in Dortmund bei Minusbeträgen, also geringeren Ausgaben als ursprünglich geplant.
„Die seit Jahren bestehende große Lücke zwischen Plan- und Ist-Zahlen im Hagener Haushalt führt zu einer großen Enttäuschung sowohl bei Bürgerinnen und Bürger und bestimmt auch bei Ratsmitgliedern. Der Unternehmer Rat Hagen weist darauf hin, mit einem größeren Zahlenpolster zu arbeiten, damit ein positiveres Bild für Hagen entsteht. Für unternehmerische Bilanzen wäre eine solche Entwicklung jedenfalls kein gutes Zeugnis“, erklärt Winfried Bahn, Initiator des Unternehmer Rat Hagen. „Das ist jetzt eine große Herausforderung für den neuen Kämmerer. Dazu wünschen wir viel Erfolg“, betont er.
Unstimmigkeiten bei den Einwohnerzahlen
Zudem weist der Unternehmer Rat Hagen auf einen weiteren Punkt im städtischen Haushalt hin, der bereits vor zwei Jahren aufgefallen ist: So werden im Haushaltsplanentwurf 2026/2027 ebenso wie in der Vorgängerversion 2024/2025 für die Einwohnerzahlen unterschiedliche Basisdaten herangezogen. Obwohl eingangs die im Melderegister der Stadt erfasste Einwohnerzahl aufgeführt ist, basieren die Berechnungen der Pro-Kopf-Einnahmen durch die Einkommens-, Grund- und Gewerbesteuer auf der vom Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT-NRW) geführten Zahl, die deutlich niedriger ist. Einen Hinweis auf die verschiedenen Datengrundlagen gibt es nicht.
Das hat der Unternehmer Rat Hagen bereits vor zwei Jahren thematisiert und angeregt, die unterschiedlichen Quellen kenntlich zu machen. Der damalige Kämmerer sagte zu, „in zukünftigen Haushaltsvorberichten die Einwohnerzahlen genauer zu beziffern“, um Missverständnisse zu vermeiden.
Wie ein Blick auf den aktuellen Haushaltsvorbericht zeigt, wurde dieses Vorhaben allerdings nicht umgesetzt.
Daher regt der Unternehmer Rat Hagen erneut an, die unterschiedlichen Datengrundlagen klar auszuweisen und die bestehende Unstimmigkeit zu beseitigen, um Irritationen zu vermeiden.